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AUF WIEDERSEHEN, KLAUS STÄBLEIN

DIE
WIRKUNG BLEIBT

KLAUS STÄBLEIN, gelernter Speditionskaufmann, gestandener Geschäftsführer – er wird sich nicht zur Ruhe setzen

Als Klaus Stäblein am 1. Juli 2026 den Ruhestand angetreten hat, ging eine Instanz. Ein Manager mit Bodenhaftung, scharfem Blick für Prozesse und dem Gespür für Chancen. Einer, der Geis 38 Jahre lang mitgestaltet hat und der den Geschäftsbereich Road Deutschland maßgeblich prägte.

Herr Stäblein, Sie sind 1988 zu Geis gekommen. Da war Helmut Kohl noch Bundeskanzler und die Mauer stand noch.

Ja, ich bin sozusagen ein Urgestein. 1988 bin ich zu Geis gekommen und wurde Speditionsleiter am Stammsitz Bad Neustadt – damals noch in Salz, klein, schnuckelig, rund 100 Leute mit den Fahrern. Mein Vorgesetzter war der Geschäftsführer Joachim Fink. 1989 wurde ich von den Inhabern gefragt, ob ich unterstützend aushelfen kann beim ersten größeren Kontraktlogistik-Projekt von Geis. Das war die Firma Siemens – der Standort hieß damals NMA (Nürnberger Maschinen und Apparatewerk). Wir hatten dort das komplette Versandbüro, die Verpackung und die Distribution übernommen. Es handelte sich um ein Outsourcing-Projekt, das ich ein Jahr lang federführend begleiten durfte. Ich glaube, das war ganz erfolgreich.

Haben Sie Logistik studiert?

Nein, ich bin Speditionskaufmann mit mittlerem Bildungsabschluss. Ich habe mir die Dinge angeeignet und konnte mich gut weiterentwickeln. Das hat mich auch geprägt. In den Jahren, in denen ich dann Verantwortung trug, habe ich immer versucht, aus den eigenen Reihen Leute zu entwickeln. Wir haben unseren eigenen Nachwuchs aufgebaut und Mitarbeiter aus der dritten in die zweite und in die erste Reihe gebracht. Dieser Weg war und ist sehr erfolgreich.

In den ersten 18 Jahren hatten Sie ganz unterschiedliche Aufgaben …

Ja, die Entwicklung ging vom Speditionsleiter zum Niederlassungsleiter in Bad Neustadt, mit dem Abstecher in die Kontraktlogistik. In der Zeit war ich, neben meiner Verantwortung in Bad Neustadt, an weiteren Standorten, zum Beispiel in Nürnberg, Ohrdruf oder Naila im Einsatz. Nach Projektabschluss bin ich immer in die „Heimat“ Bad Neustadt zurückgekehrt.

Klaus Stäblein neben seiner BMW

Haben Sie ein besonderes Auge für Abläufe, Organisation, Struktur und Effizienz?

Das möchte ich so sagen. Aber in erster Linie ist es wichtig, dass das Führungsgerüst an den Standorten passt. Wir geben die grobe Richtung aus der Zentrale vor, aber die Verantwortlichen an den Standorten sind die Unternehmer vor Ort und genießen Freiräume für ein erfolgreiches Handeln. Mit einer Top-Qualität können wir Kunden gewinnen, an uns binden und gezielt weiterentwickeln. Zudem korrelieren Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Als Sie Geschäftsführer von Road Deutschland wurden – wohin wollten Sie den Road Bereich entwickeln?

Manchmal hat man nur begrenzte Möglichkeiten – aber plötzlich eröffnen sich neue Chancen fürs Unternehmen. Ich war immer ein Verfechter davon, nicht nur auf der reinen Stückgut-Schiene zu bleiben. Wir mussten schauen, dass wir die Produktpalette erweitern und somit Geschäftsfelder vorantreiben beziehungsweise neu entwickeln. Zum Beispiel in der Automotive-Branche, das Forcieren von LTL/ FTL, oder das Sondergeschäft für Siemens Healthineers: Da gab es anfangs viele Bedenken. Aber die Inhaber haben mir vertraut, dass das eine Nische ist, in der wir erfolgreich sein werden. Und wir haben es gut hinbekommen. Zuletzt öffneten sich durch die Veränderungen in der IDS-Kooperation neue Möglichkeiten. Die Akquisition Krüger – jetzt Geis Krüger –, die Übernahmen der Gras Gruppe und von Agotrans. Bei Krüger und Gras war ich noch federführend mit dabei.

Was hat bei Ihnen die größten Eindrücke hinterlassen im langen Berufsleben bei Geis?

Die Öffnung der Grenzen 1989, das war ein markanter Punkt. Da haben sich viele interessante Möglichkeiten aufgetan. Für unser Unternehmen war das ein richtiger Schub. Was auch sehr prägend war: die Pandemie. Die Veränderung von B2B auf B2C, wie wir plötzlich Kunden anders beliefert haben. Die rasante Änderung von 100 Prozent Büro-Arbeitsplätzen auf überwiegend Homeoffice musste ebenfalls bewältigt werden. Ganz besonders eindrücklich war die Zusammenführung unserer Road-Betriebe – GTL (Geis Transport und Logistik) und Geis Eurocargo am Standort Nürnberg. Das war eine riesige Veränderung für das Unternehmen und für die Menschen dort.

Klaus Stäblein auf seiner BMW

1988 waren die Mobiltelefone fast kiloschwer und hingen im C-Netz. Heute arbeiten Sie mit digitalen Daten.

Ja, das stimmt. Wir haben mit richtig guten Leuten unser Transport-Management-System (TMS) weiterentwickelt, und wir haben unser G-MiS – das Geis Management-Informationssystem – konzipiert und immer weiterentwickelt. Denn eines unserer Erfolgsrezepte ist, dass die Verantwortlichen vor Ort ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhand von Kennzahlen führen. Es bringt ja nichts, einfach nur zu sagen: „Leute, es ist jetzt schlecht.“ Wir machen es anders: Egal, ob Sammelgutausgang, Sammelguteingang oder Ladungsverkehr etc. – die Leute müssen mit Zahlen versorgt werden, damit sie ein Verständnis dafür entwickeln können und unternehmerisch denken.

Sie sind schon sehr lange bei Geis. Menschen sind gekommen und gegangen. Hand aufs Herz, Herr Stäblein: Was hat Sie gehalten?

Die Chance und das Vertrauen, was mir die Inhaber geschenkt haben, und die Möglichkeit, mich vom Speditionsleiter zum Niederlassungsleiter bis zum Geschäftsführer zu entwickeln. Ich bin ein heimatverbundener Mensch. Ich liebe die fränkische Region – die Weinregion und alles, was dazugehört. Meine Zwillinge sind hier aufgewachsen, mein Enkel ist hier.

Was glauben Sie – wie wird es für Sie sein im nächsten Lebensabschnitt?

Ich denke, es wird mir gut gehen. Uns war schon früh bewusst, dass wir die Weichen für meine Nachfolge rechtzeitig stellen müssen. Mir ist einfach wichtig, dass sich der Bereich gut weiterentwickelt. Mit Jörg Rotthowe läuft das ausgezeichnet. Was ich danach mache? Erst einmal ein Sabbatical. Ich habe die Vergangenheit gut gemeistert, und die Zukunft werde ich auch gut meistern – darüber mache ich mir überhaupt keinen Kopf. Eines werde ich auf jeden Fall tun – endlich viel Zeit auf dem Motorrad verbringen und über die Landschaft cruisen. Die BMW wird gequält – das kann ich versprechen.

„Ich bin der Heimat treu geblieben. Ich bin dem Unternehmen treu geblieben. Und ich finde, dass ich es richtig gemacht habe.“

KLAUS STÄBLEIN
Geschäftsführer Road Deutschland

Klaus Stäblein startet auf seiner BMW in den Ruhestand.

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